Aktivitäten

Geo-Tag der Artenvielfalt auf dem Lindeberg am 12.06.2010

Das Gebiet des Lindenbergs bei Teistungen liegt im nordwestlichen Eichsfeld an der Landesgrenze zwischen Thüringen und Niedersachsen. Es zeichnet sich durch großflächige Laubmischwälder (Traubeneichen-Hainbuchenwald, Hainsimsen-Rotbuchenwald) aus. Außerdem sind hier typische Kulturlandbiotope der Region zu finden wie z. B. eine große und alte Streuobstwiesen, Wiesen und Weiden, Einzelgehölze aus Bruchweiden, Schwarzerlen, Stieleichen sowie ein naturnaher Bachlauf. Das gesamte Gebiet ist Teil des EG-Vogelschutzgebietes Nr. 11 "Untereichsfeld - Ohmgebirges".

Junger Waldkauz

Die Gemeinde Teistungen plant 80 ha dieser Natur- und Kulturlandschaft in einen Golfplatz umzugestalten. Davon betroffen sind auch 20 ha des Laubwaldes. Es hat sich die Bürgerinitiative „Rettet den Lindenberg“ gegründet, die diese Naturzerstörung verhindern möchte.

Einschüchterungsversuchen und dem Wetter getrotzt

Am 12. Juni zum Geotag der Artenvielfalt organisierten der NABU Obereichsfeld RV und die BI "Rettet den Lindenberg" verschiedene thematische Exkursionen für die Öffentlichkeit, um die Artenvielfalt des Gebietes nachzuweisen sowie der Bevölkerung zu verdeutlichen, welche Verluste die Umsetzung der Golfplatzpläne für die heimische Natur und nicht zu letzt auch für die Menschen der Region und darüber hinaus haben würde. Es gab an diesem Tag massive Einschüchterungsversuche durch den Bürgermeister der Gemeinde Teistungen, die teilweise an Stasi-Methoden erinnerten (Fotografieren unserer Fahrzeuge sowie der Fahrzeuge der Gäste, Schlösser und Ketten vor dem bis dato zugänglichen Wildgehölz- und Wildobstgarten, Beobachtung unserer Aktivitäten durch anonyme Personen …), der in unserer Veranstaltung eine gegen seine Person gerichtete politische Aktion vermutete. Trotzdem und trotz des regnerischen Wetters, nahmen nicht nur Mitglieder des NABU und der Fachgruppe „Ornithologie und Vogelschutz“ an den Exkursionen teil, sondern auch Naturfreunde aus Teistungen sowie aus weiteren Gemeinden des Landkreises.

Die Teilnehmer der Exkursionen konnten die unterschiedlichen feldbiologischen Erfassungsmethoden kennen lernen. Ein Höhepunkt war dabei sicherlich die Beringung junger Rotmilane durch einen erfahrenen Beringer der FG "Ornithologie Eichsfeld".

Junger Rotmilan

Neben den öffentlichen Aktionen durchstreiften den ganzen Tag Hobby- und Berufsbiologen sowie weitere Naturfreunde und Naturkenner das Gebiet, um die Fauna und Flora zu erfassen. Das gewählte Untersuchungsgebiet deckte sich dabei weitestgehend mit den von der Golfplatzplanung betroffenen Flächen (80 Hektar). Somit erfolgte die Artenerfassung im Laubmischwald, an Waldrändern, auf Weiden und Wiesen, in einem Streuobstbestand, an einem Bachlauf sowie auf Ackerflächen.

Das "Basislager", eine gemütliche Schutzhütte, war mit reichlich Bestimmungsliteratur ausgestattet. Hier traf man sich in regelmäßigen Abständen, um die Funde zu bestimmen und in Listen einzutragen. Da hier Experten hinsichtlich der verschiedenen Artengruppen zusammen trafen, herrschte ein reger Erfahrungs- und Wissensaustausch, was allein schon für viele Beteiligte ein Erlebnis war.

Trotz des verregneten Tages konnten von den etwa 30 Aktiven 445 Arten erfasst werden. Dazu zählen 212 Pflanzenarten, 52 Vogelarten, 86 Insektenarten, 4 Reptilienarten und 4 Amphibienarten. Die vollständige Artenliste ist auf www.geo-artenvielfalt.de einsehbar. Diese am 12.06.2010 erstellte Artenliste ist nur eine Aufnahme von wenigen Stunden. Sie ließe sich noch durch viele Artenfunde, die im Vorfeld des GEO- Tages der Artenvielfalt gemacht wurden, ergänzen. Genannt werden sollen hier nur das nachgewiesene Brutvorkommen des Mittelspechtes, einer im Eichsfeld sehr seltenen Art, der regelmäßig im Bereich des Lindenberges gesichtete Schwarzstorch sowie das Vorkommen des Feuersalamanders sowie des Fadenmolches als weitere geschützte Amphibienarten.

Unsere Aktion am 12.06.2010 macht deutlich, dass die Umsetzung der Golfplatzpläne im besagten Gebiet, die trotz dessen Schutzstatus als SPA- Gebiet sowie der Einwände der Naturschutzverbänden, von Lokalpolitikern massiv und aggressiv forciert wird, ein Verlust an einer Natur- und Kulturlandschaft mit großer Artenvielfalt bedeuten würde sowie naturschutzpolitisch unverantwortlich wäre.

Einige der gefundenen Arten:

Ringelnatter
Ringelnatter
Erdkröte
Erdkröte
Fuligo_septica
Fuligo_septico
Frühlingsmistkäfer
Frühlingsmistkäfer
Fadenmolch
Fadenmolch
Bergmolch
Bergmolch