Wanderung in die Welt der Pilze

Pilzexkursion des NABU-Obereichsfeld e.V. am 19.10.2013

Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere. In der Natur sind sie allgegenwärtig und haben für das Funktionieren der verschiedenen Ökosystheme eine überragende Bedeutung. Vielfältig sind dabei die Wechselbeziehungen mit Tieren und Pflanzen, die sich in solchen Erscheinungen wie Mykorrhiza, Parasitismus oder Saprophytismus zeigen. Diesen Phänomenen wollte der NABU-Obereichsfeld e.V. auf seiner Exkursion nachgehen und die Biologie und die ökologische Bedeutung der Pilze einem interessierten Publikum näher bringen.

Grünspanträuschling
Grünspanträuschling
Bild von Arne Willenberg

Als Exkursionsort wurde der Zehnsberg zwischen Breitenbach und Hundeshagen gewählt. Auf Buntsandstein stocken hier Rotbuchenmischwälder mit einem hohen Anteil an Traubeneichen sowie Fichtenforste. In der Tagespresse wurde die Exkursion mit schönen Pilzbildern großartig angekündigt, wodurch sich letztlich mehr als fünfzig Personen eingeladen fühlten. Alle waren mit großen Sammelkörben gekommen, was unmissverständlich das vorrangige Interesse an der Küchenmykologie verriet. Trotzdem gelang es mir als Exkursionsleiter in dem einführenden Vortrag ein paar wesentliche Aspekte der Biologie und Ökologie der Pilze zu erklären, dabei auch auf die Gefährdung mancher Arten einzugehen und damit die Notwendigkeit zu begründen, die Prinzipien des Arten- und Naturschutzes auch auf Pilze anzuwenden. Eine Warnung vor dem unkontrollierten und leichtsinnigen Pilze sammelt konnte ich ebenfalls noch aussprechen, indem ich einen Spitzbuckligen Rauhkopf präsentierte, der wohl zu den gefährlichsten Giftpilzen zählt. Gefährlich ist er deshalb, weil nach seinem Verzehr die Vergiftung oft erst viele Tage später bemerkt wird, nämlich dann, wenn bereits die Nieren irreparabel geschädigt sind.

Grubenlorchel
Grubenlorchel
Bild von Arne Willenberg

Von solchen Warnungen ließen sich die „Pilzjäger“ aber nicht abschrecken sondern stürzten sich nach meinen Einführungen mutig in den Wald. Nach kaum zwanzig Schritten, stolperten wir über eine große Gruppe von essbaren Elfenbein-Schnecklingen. Noch während ich diese Pilze erklärte, wurden mir von allen Seiten weitere Pilzfunde zugetragen. Für ausschweifende Erklärungen war nun keine Zeit mehr. Ich musste mich auf das wesentliche beschränken, nämlich die Beantwortung der Frage nach dem jeweiligen Speisewert. Allmählich füllten sich die Körbe der Pilzfreunde, mit den besagten Schnecklingen, Violetten Rötelritterlingen, Safranschirmpilzen, Maronen und Rotfußröhrlingen, Fuchsigen Röteltrichterlingen, Waldfreundrüblingen, verschiedenen Täublingen, Butterrüblingen und Horngrauen Rüblingen, Rehbraunen Dachpilzen, Perlpilzen, Waldegerlingen, Anistrichterlingen, Rauchblättrigen Schwefelköpfen u. a.. Meine Warnung, dass die Graukappe zwar nicht giftig ist, von manchen Personen aber nur schlecht verdaut werden, wurde weitestgehend ignoriert. Eichsfelder haben eben einen Bärenmagen. So waren die meisten Pilzkörbe schon voll, als wir auf die ersten Steinpilze stießen. Hinzu kamen dann auch einzelne Birkenröhrlinge.

Fichtensteinpilz
Fichtensteinpilz
Bild von Arne Willenberg

Natürlich gab es auch viele giftige Pilzarten. Die herrlich anzuschauenden Fliegenpilze waren allen Exkursionsteilnehmern bekannt und wurden deshalb nicht gesammelt. Dagegen musste ich so manchen Gelben Knollenblätterpilz, Rettichhelmling oder Grünblättrigen Schwefelkopf aus den Pilzkörben sortieren.

Nach etwa vierstündiger Wanderung erreichten wir wieder die parkenden Autos. Noch einmal begutachtete ich den Inhalt der Pilzkörbe, um möglicherweise doch eingesammelte Giftpilze zu entfernen. Wohl alle Exkursionsteilnehmer konnten mit ihrer Ausbeute sehr zufrieden sein und sich auf eine üppige Pilzmalzeit freuen. An mich als Exkursionleiter gab es viele Dankesworte. Dabei war mein Anteil am Gelingen der Exkursion relativ gering. Das reichhaltige Vorkommen der Pilzfruchtkörper war einfach den idealen Wetterbedingungen der vergangenen Tage und Wochen zu verdanken, mit milden Temperaturen und ausreichenden Niederschlägen.

Arne Willenberg

Liste der auf der Exkursion gefundenen Pilzarten

Gelber Knollenblätterpilz

Amanita citrina

Grüner Knollenblätterpilz

Amanita phalloides

Perlpilz

Amanita rubescens

Fliegenpilz

Amanita muscaria

Fuchsiger Scheidenstreifling

Amanita fulva

Safran-Riesenschirmpilz

Macrolepiota rhacodes

Rehbrauner Dachpilz

Pluteus cervinus

Wald-Egerling

Agaricus silvaticus

Schiefknolliger Anis-Champignon

Agaricus essettei

Schwefel-Ritterling

Tricholoma sulphureum

Seifen-Ritterling

Tricholoma saponaceum

Silbergrauer Erdritterling

Tricholoma argyraceum

Rötlicher Holzritterling

Tricholomopsis rutilans

Gemeiner Hallimasch

Armillaria ostoyae

Nebelgrauer Röteltrichterling

Lepista nebularis

Fuchsiger Röteltrichterling

Lepista flaccida

Violetter Rötelritterling

Lepista nuda

Elfenbein-Schneckling

Hygrophorus eburneus

Schwarzpunktierter Schneckling

Hygrophorus pustulatus

Kaffeebrauner Gabeltrichterling

Pseudoclitocybe cyathiformis

Grüner Anis-Trichterling

Clitocybe odora

Bleiweißer Trichterling

Clitocybe phyllophila

Violetter Lacktrichterling

Laccaria amethystea

Butter-Rübling

Collybia butyracea var. butyracea

Horngrauer Rübling

Collybia butyracea var. asema

Gefleckter Rübling

Collybia maculata

Waldfreund-Rübling

Collybia dryophila

Falscher Pfifferling

Hygrophoropsis aurantiaca

Rettich-Helmling

Mycena pura

Gelbmilchender Helmling

Mycena crocata

Berindeter Seitling

Pleurotus dryinus

Spaltblattling

Schizophyllum commune

Kahler Krempling

Paxillus involutus

Samtfuß-Krempling

Paxillus atrotomentosus

Spitzgebuckelter Raukopf

Cortinarius rubellus

Blaustiel-Schleimfuß

Cortinarius muscigenus

Blutblättriger Hautkopf

Cortinarius semisanguineus

Geflecktblättriger Flämmling

Gymnopilus penetrans

Stockschwämmchen

Kuehneromyces mutabilis

Grünspan-Träuschling

Stropharia aeruginosa

Sparriger Schüppling

Pholiota squarrosa

Grünblättriger Schwefelkopf

Hypholoma fasciculare

Rauchblättriger Schwefelkopf

Hypholoma capnoides

Ziegelroter Schwefelkopf

Hypholoma sublateritium

Specht-Tintling

Coprinus picaceus

Wäßriger Mürbling

Psathyrella piluliformis

Großer Gelbfuß

Gomphidius glutinosus

Nadelholz-Häubling

Galerina marginata

Rotbrauner Milchling

Lactarius rufus

Ockergelber Täubling

Russula ochroleuca

Fichten-Steinpilz

Boletus edulis

Maronen-Röhrling

Xerocomus badius

Rotfuß-Röhrling

Xerocomus chrysenteron

Birkenpilz

Leccinum scabrum var. melaneum

Pfeffer-Röhrling

Chalciporus piperatus

Gold-Röhrling

Suillus grevillei

Riesen-Porling

Meripilus giganteus

Birken-Porling

Piptoporus betulinus

Schmetterlings-Tramete

Trametes versicolor

Buckel-Tramete

Trametes gibbosa

Striegelige Tramete

Trametes hirsuta

Zinnoberote Tramete

Pycnoporus cinnabarinus

Fichten-Porling

Fomitopsis pinicola

Zunderschwamm

Fomes fomentarius

Flacher Lackporling

Ganoderma applanatum

Flaschen-Stäubling

Lycoperdon perlatum

Igel-Stäubling

Lycoperdon echinatum

Birnen-Stäubling

Lycoperdon pyriforme

Gemeine Stinkmorchel

Phallus impudicus

Herbst-Lorchel

Helvella crispa

Gruben-Lorchel

Helvella lacunosa

Vielgestaltige Holzkeule

Xylaria polymorpha

Geweihförmige Holzkeule

Xylaria hypoxylon

Zottiger Schichtpilz

Stereum hirsutum