Ein Plädoyer für Wölfe und Schafe

Pressemitteilung des NABU-Obereichsfeld e.V.

Am vergangenen Freitag lud der Naturschutzbund Obereichsfeld e.V. zum Vortrags- und Themenabend „Die Rückkehr der Wölfe“ ein. Dass das Thema auf Interesse stößt, zeigte sich darin, dass der Vortragsraum des NABU-Naturschutzzentrums in Reifenstein fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Unter den Gästen waren nicht nur Naturschützer und Freunde der Wiederkehr des einst in Deutschland ausgerotteten Wolfes sondern auch drei Schäfer der Region, welche den Wolf vor allem hinsichtlich ihrer Arbeit mit Skepsis betrachten. Neben den anwesenden Biologen des NABU meldete sich als Experte auch Uwe Lagemann zu Wort, der sich als Begründer und ehemaliger Leiter des Bärenparks Worbis seit vielen Jahren mit dem Wolf intensiv beschäftigt. Entsprechend allseitig wurde in der Diskussion das Thema behandelt, was für alle Beteiligten die mit der Rückkehr der Wölfe verbundenen Vorstellungen, Hoffnungen aber auch Sorgen und Nöte der jeweils anderen Interessengruppe offen legte.

Wolf
Bild von Arne Willenberg

In seinem Vortrag referierte der Biologe Arne Willenberg zur wechselvollen gemeinsamen Geschichte von Mensch und Wolf, was letztlich zur Ausrottung des Wolfes in weiten Teilen Europas führte. Der aktuelle europaweite Schutz, führt nun zur Rückkehr des Wolfes nach Deutschland. Arne Willenberg ging auch auf verschiedene Aspekte der Biologie und Lebensweise dieser Wildtierart ein, z.B. auf ihr beeindruckendes Wandervermögen. Nachweislich können Wölfe innerhalb weniger Wochen mehr als 1000 km zurücklegen. Somit kann jeder Zeit überall in Deutschland ein Wolf auftauchen, auch in Thüringen. Gerade in Thüringen treffen zudem die Wolfswanderrouten aus der osteuropäischen und aus der südeuropäischen Population aufeinander.

Wolf
Bild von Arne Willenberg

Die Erfahrungen und die wissenschaftlichen Auswertungen historischer Berichte zeigen, dass vom Wolf keine direkte Gefahr für uns Menschen ausgeht. Im Gegenteil, verhält sich doch der Wolf im Allgemeinen so scheu, dass selbst die Wolfsforscher in der Lausitz nur ausgesprochen selten einen Wolf zu Gesicht bekommen. Interessant ist, wie sich der Wolf als großer Beutegreifer wieder in die Ökosysteme unserer Natur- und Kulturlandschaft einfügt. Dazu stellte Arne Willenberg Forschungsergebnisse aus der Wolfsregion Lausitz vor. Dort erbeutet der Wolf in erster Linie Rehe, gefolgt von Rothirschen und Wildschweinen. Auf die Bestandsgröße dieser Tiere scheint dies zurzeit noch keinen Einfluss zu haben, was sich an den unveränderten Abschusszahlen der Jagdausübenden in der Lausitz zeigt. Langfristig, so ist der Biologe überzeugt, werden die Wölfe aber dazu beitragen, dass die Schalenwildbestände auf ein gesünderes Maß gesenkt werden, was unserer Forst- und Landwirtschaft zu Gute kommen wird.

Wolf
Bild von Arne Willenberg

Wölfe fressen auch Schafe. In Wolfsgebieten müssen Schäfer deshalb entsprechende Schutzvorkehrungen treffen. In der Lausitz werden seit vielen Jahren die verschiedenen Methoden in der Praxis erprobt, so der Einsatz von speziellen Herdenschutzhunden und das Einzäunen der Schafe mit stromführenden Spezialzäunen. Dies bedeutet natürlich einen Mehraufwand für die Schäfer, aber die Erfolge und der Nutzen sind groß. Hier setzte nach Arne Willenbergs Vortrag dann die besagte, sachlich geführte Diskussion an. Die drei anwesenden Schäfer bezweifelten, dass sich im dicht besiedelten Eichsfeld der Einsatz von Herdenschutzhunden wirklich praktizieren lässt. Möglicherweise muss tatsächlich das Einzäunen der Schafe reichen. Hier werden die Schäfer nicht nur finanzielle sondern auch fachliche Unterstützung brauchen. Dafür wird sich der NABU im Rahmen seiner Möglichkeiten unbedingt einsetzen. Denn für den Naturschutz, für den Erhalt wertvoller Kulturlandschaftsbiotope und somit auch für den Artenschutz, sind der Ausbau und die Förderung der Schafwirtschaft unabdingbar und somit im ureigenen Interesse des Naturschutzbundes.

Den Wolf wird es langfristig in Deutschland nur geben können, wenn wir Menschen ihn tolerieren. Wir müssen den Umgang mit ihm erst wieder lernen. Dazu ist es auch notwendig, dass alle am Wolf Interessierten und die von der Anwesenheit des Wolfes Betroffenen, wie Schäfer, Jäger, Förster und Naturschützer, einen sachlichen Dialog führen, um gemeinsam mögliche Konflikte mit dem Wolf zu minimieren. Der NABU-Obereichsfeld e.V. ist dazu jederzeit und für alle ein Ansprechpartner!