Fachgruppe „Botanik im Eichsfeld“

Exkursion rund um die Alte Burg bei Reifenstein

Die erste gemeinsame Exkursion der neugegründeten Fachgruppe „Botanik im Eichsfeld“ führte vom NABU-Haus in Reifenstein zur nahegelegenen „Alten Burg“. Letztere ist ein Muschelkalkplateau am Nordrand des Düns, auf welchem sich in frühgeschichtlichen Zeiten tatsächlich eine Burg befunden hat. Heute kann man davon nur noch einen Graben und die Reste eines Walls erahnen. Für die acht an der Wanderung teilnehmenden Botaniker waren auch mehr die Flora und die Vegetation von Interesse.

Mandelblättrige Wolfsmilch
Mandelblättrige Wolfsmilch
Bild von Arne Willenberg

Wie es typisch für die Trias-Schichtstufenlandschaft des nordwestlichen Thüringens ist, sind die Bereiche des Unteren Muschelkalks, aus welchem die „Alte Burg“ besteht, mit Rotbuchenwald bewachsen. Auf den Plateauflächen dominiert dabei der Waldhaargerstenbuchenwald Hordelymo-Fagetum, kleinflächig abgelöst vom Perlgrasbuchenwald Melico-Fagetum. An den nördlichen Hangbereichen stockt der Bingelkrautbuchenwald Mercuriali-Fagetum. Besonders letztere Waldgesellschaft aber auch der Waldhaargerstenbuchenwald erscheinen im Exkursionsgebiet jeweils in einer Bärlauch-reichen Ausbildung, wie die die Exkursionsteilnehmer selbst mit geschlossenen Augen hätten feststellen können. Das üppige Vorkommen des Bärlauchs (Allium ursinum) in fast allen Laubwaldgesellschaften im nördlichen Eichsfeld ist vor allem auf den sogenannten atlantischen Klimaeinfluss im Gebiet, mit relativ kühlen und feuchten Sommern und milden Wintern, zurückzuführen. Eine wirklich subatlantisch verbreitete Pflanzenart ist die Mandelblättrige Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides), welche von den Exkursionsteilnehmern ebenfalls entdeckt wurde. Diese Pflanze kommt nur im nördlichen Eichsfeld einschließlich der Bleicheröder Berge vor. Im Südeichsfeld fehlt sie dagegen aufgrund des dort kontinentaleren Klimas.

Seidelbast
Seidelbast
Bild von Arne Willenberg

An den südlichen und westlichen Steilhängen und Abbruchkanten der „Alten Burg“ ist der Seggen-Hangbuchenwald Carici-Fagetum ausgebildet. In dieser thermophilen Waldgesellschaft fehlen die besagten subatlantischen Florenelemente, dagegen ist hier neben den namengebenden Seggenarten im späteren Jahresverlauf mit Orchideen zu rechnen. Kleinflächig in den Seggen-Hangbuchenwald eingestreut konnten die Exkursionsteilnehmer den Schwalbenwurz-Linden-Kalkschotterwald Cynancho-Tilietum an seiner lockeren Baumschicht aus Sommerlinden und Bergahorn erkennen, welcher auf grobem Kalkschottermaterial unterhalb der Felsabstürze stockt. Auf diesen Sonderstandorten kann die ansonsten im Exkursionsgebiet dominierende Rotbuche nicht vorkommen, da sie den ständigen Verletzungen durch Steinschlag nicht gewachsen ist. Linden und Bergahorn gleichen diese Verletzungen viel besser aus, was aber oft zu auffälligen Wuchsanomalien führt. In der Krautschicht auf dem Kalkschotter dominiert die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) eine, wie der Name schon vermuten lässt, sehr giftigen Pflanzenart.

Stinkende Nieswurz
Stinkende Nieswurz
Bild von Arne Willenberg

Auf der Plateaufläche der „Alten Burg“ blühte noch die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetitus). In manchen Jahren mit milden Wintern kann diese Art bereits im Januar blühend angetroffen werden. Die Pflanze ist in Südeuropa, Westeuropa und im südlichen Mitteleuropa heimisch. In Deutschland wird sie nur im mittleren und südwestlichen Bereich gefunden. In Thüringen gibt es nur zerstreute Vorkommen. Im LK Eichsfeld ist nur der Fundort auf der „Alten Burg“ bekannt.

Hohler Lerchensporn
Hohler Lerchensporn
Bild von Arne Willenberg

Diese erste gemeinsame Exkursion der Eichsfelder Botaniker war für alle Teilnehmer sicherlich sehr lehrreich und ein schönes Erlebnis!