Eichsfelder Steinkauzprojekt

Steinkauz

Bild von Arturo Nikolai, Lizenz: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 US-amerikanisch

Projektbeschreibung

Vorbetrachtung

Der Steinkauz war als Kulturfolger noch bis Mitte der 1960ger Jahre im Gebiet des heutigen Landkreises Eichsfeld ein regelmäßiger, wenn nicht sogar häufiger Vertreter der Avifauna. Seitdem nahmen die Bestände dramatisch ab. Von 1970 bis 1998 sind in den Jahresberichten der FG Ornithologie Eichsfeld pro Jahr wenigstens noch eine Beobachtung, manchmal auch als Brutverdacht oder sogar als Brutnachweis, registriert. In den Folgejahren gab es nur noch 2000, 2005 und 2007 Einzelbeobachtungen der Art.

Die Ursachen für diesen dramatischen Rückgang des Steinkauzes sind sehr komplex. Sicherlich ist die Hauptursache in der Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion zu sehen, was zum Verschwinden der für den Steinkauz essentiellen Kulturlandbiotope wie hochstämmige Streuobstbestände, extensiv beweidetes Grünland, offene Feldscheunen, Feldgehölze mit höhlenreichen Altbaumbeständen usw. führte.

Zielsetzung des Steinkauzprojektes

Mit dem Projekt soll der Steinkauz im nordwestlichen Eichsfeld wieder angesiedelt bzw. die möglicherweise noch vorhandenen Bestände stabilisiert werden. Gleichzeitig soll dieses Projekt dazu dienen, die Bevölkerung für eine strukturreiche Kulturlandschaft zu sensibilisieren.

Projektgebiet

Als Projektgebiet ist die Kulturlandschaft zwischen dem bewaldeten Ohmgebirge und dem gleichfalls bewaldeten Lindenberg vorgesehen. In dem Projektgebiet befinden sich die Ortschaften Wehnde, Tastungen und Teistungen. Im Süden gehören zum Projektgebiet auch das Hahletal sowie die Bereiche am Eichbach und Finkgraben bis zur Ortschaft Berlingerode.

Das Projektgebiet ist etwa 9 km2 groß.

Aus Sicht der Projektträger und Projektpartner weist das Gebiet günstige Bedingungen für eine Wiederansiedlung des Steinkauzes aus. Es ist im Gegensatz zum übrigen Eichsfeld (eigentliches Obereichsfeld südlich vom Dün und dem Südeichsfeld) sehr wärmebegünstigt. Aufgrund eines nachweisbaren subatlantischen Klimaeinflusses sind hier die Winter in der Regel milder und weit schneeärmer als im übrigen Landkreis.

In der Kulturlandschaft sind noch alte Obstbaumbeständen vorhanden. An den Bachläufen sind Gehölzstrukturen mit alten Weiden und Pappeln zu finden. Die Weidebewirtschaftung durch viele private Tierhalter (Schafe und Pferde) sowie durch kommerzielle Landwirte führt zu kurzrasigen Grünlandflächen, welche für den Steinkauz als Nahrungsflächen sehr wichtig sind.

In den Ortsrandbereichen gibt es landwirtschaftliche Betriebe sowie alte Gehöfte mit offenen Scheunen, welche vom Steinkauz als Jagdgebiete vor allem auch im Winter genutzt werden können.

Projektträger

Der Projektträger ist der NABU Obereichsfeld e.V.. Das Projekt wird in enger Kooperation mit der FG Ornithologie Eichsfeld e.V., der NABU Greif- und Eulenstation in Rüdershausen sowie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, OV Lindenberg / Eichsfeld durchgeführt. Anschriften der Institutionen: Siehe unten!

Laufzeit des Projektes

Zunächst wird es eine zweijährige Testphase (2012 und 2013) geben. Ist diese erfolgreich, d.h. konnten in dieser Zeit Ziele des Projektes umgesetzt werden, wird die Laufzeit auf 5 Jahre verlängert (bis 2017). Nach der Testphase ist eine Konkretisierung des Projektes möglich.

Projektdurchführung

Das Projekt umfasst 3 Teilbereiche, die in ihrer Durchführung eine Einheit darstellen.

Biotopverbessernde und landschaftspflegerische Maßnahmen:

Im Projektgebiet werden Strukturen gepflegt und hergestellt, welche die Wiederansiedlung des Steinkauzes begünstigen bzw. erst möglich machen. Dazu zählt u. a. das Ausbringen von geeigneten Nisthilfen (Steinkauzröhren), die Pflege von Streuobstwiesen usw..

Öffentlichkeitsarbeit:

Der Steinkauz ist ein Indikator für eine strukturreiche und artenreiche Kulturlandschaft. In Vorträgen und geeigneten Presseartikeln soll der Bevölkerung am Beispiel des Steinkauzes verdeutlicht werden, dass eine für den Steinkauz geeignete Landschaft ein wichtiges und erhaltenswertes Kulturgut unserer Zivilisation ist und auch dem Artenreichtum allgemein dient.

Diese Öffentlichkeitsarbeit soll nicht nur Verständnis für die ökologischen Zusammenhänge in der Kulturlandschaft wecken sondern auch aktive Mitstreiter für dieses Projekt und für den Naturschutz gewinnen. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit den Landwirten der Region, welche durch ihre Tätigkeit das Vorhandensein bestimmter Kulturlandbiotope maßgeblich beeinflussen.

Die Öffentlichkeitsarbeit und die Gespräche mit Grundstücksbesitzern im Projektgebiet ist Voraussetzung, dass bestimmte biotopverbessernde Maßnahmen durchgeführt werden können, dazu zählt die Pflege von Streuobstwiesen, das Nachpflanzen von Obstbäumen und anderer Gehölze aber auch das Anbringen von Steinkauzröhren an geeigneten Gebäuden.

Auswilderung

Im Projektgebiet sollen Steinkäuze aus Volierenhaltung bzw. -zucht gezielt ausgesetzt werden. Begonnen werden soll noch im Februar 2012 mit der Auswilderung von 6,6 Tieren gemeinsam auf kleinem Raum nahe der Ortschaft Tastungen, um die Paarbildung zu erleichtern. Pro Paar werden 3 Niströhren an geeigneten Stellen aufgehängt.

Die Auswilderung soll in der Projektlaufzeit fortgesetzt werden, im Idealfall mit weiteren 4 bis 6 Paaren pro Jahr. Die genaue Anzahl wird von der Verfügbarkeit abhängig sein. Bei dem Bezug der Tiere wird darauf geachtet, dass sie verschiedenen Zuchtlinien entstammen, um Inzucht möglichst auszuschließen!

Es wird angestrebt, dass der Projektträger bzw. seine Partner zukünftig über eine eigene Voliere verfügen, um die für die Auswilderung vorgesehenen Tiere optimaler auf ihre Eignung zu prüfen und eine bereits stattfindende Paarbildung festzustellen. Nach Möglichkeit sollen zukünftig feste Paare ausgewildert werden! Auch bei der Beschaffung der Tiere sollen zukünftig Paare bevorzugt werden, idealerweise Paare, die bereits in Volieren Nachwuchs hatten.

Die Auswilderung und die als Ergebnis erhoffte Ansiedlung werden genau dokumentiert. Alle Steinkäuze, die Alttiere und auch der Nachwuchs werden beringt. Diese Aufgabe werden die geschulten Beringer der FG Ornithologie Eichsfeld e.V. übernehmen. Die im Projektgebiet ausgebrachten Steinkauzröhren werden regelmäßig kontrolliert. Außerdem soll das Projektgebiet verstärkt auf die Besiedlung von „wilden“ Steinkäuzen untersucht werden. Diese Tätigkeiten übernehmen Mitglieder des NABU, der FG Ornithologie Eichsfeld sowie weitere ehrenamtliche Helfer. Die Aktiven werden sich dazu in einer Arbeitsgruppe zusammenfinden.

Über dieses Monitoring wird regelmäßig berichtet. Dazu soll möglichst einmal im Jahr ein Treffen von Vertretern der Staatlichen Vogelschutzwarte Seebach/Thüringen, der UNB LK Eichsfeld und der Bearbeiter des Projekts stattfinden, um den Projektstand zu erörtern.

Unsere Steinkauzvoliere
Unsere Steinkauzvoliere
Bild von M. Lagemann

Anschriften

Projektträger:

Naturschutzbund Obereichsfeld e.V.
Arne Willenberg
Nordhäuser Str.10
37339 Leinfelde-Worbis OT: Worbis

Projektpartner:

FG Ornithologie Eichsfeld,
Hans-Bernd Hartmann,
An der Kuhle 2,
37327 Leinefelde

NABU Greif- und Eulenstation
unter Leitung von Herrn F.-K. Schöttelndreier,
Im Winkel 14,
37434 Rüdershausen

Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, OV Lindenberg / Eichsfeld,
Raik Scheffler,
Ritterbachstr. 14,
37339 Worbis

Alternativer Bärenpark Worbis gGmbH,
Duderstädter Str. 36a,
37339 Leinefelde-Worbis

Weiterer Ansprechpartner:

Uwe Lagemann,
Dorfstraße 10,
37339 Tastungen